EfP Projekt 2017 Stuttgart-Krakau

Die Stiftung EVZ legt Förderprogramme für internationale Jugendprojekte auf. Die IB-Schulen Stuttgart-Vaihingen nehmen daran Teil und pflegen seit Jahren eine Partnerschaft mit Krakau in Polen im Rahmen eines jährlichen Austauschs.

Die Stiftung EVZ will die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in der deutschen und europäischen Erinnerungskultur verankern. Dabei kommen die Opfer zu Wort, die ihre Erfahrungen im Nationalsozialismus nachkommenden Generationen vermitteln.

Die Stiftung leistet einen Beitrag zur Entwicklung einer Erinnerungskultur auch für die deutsche Migrationsgesellschaft. Sie bringt die exemplarische Aufarbeitung von Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts in den internationalen Erfahrungsaustausch ein. Die Stiftung EVZ will zudem das Bewusstsein für den jüdischen Anteil an der deutschen und europäischen Geschichte stärken.

Begegnung Herbst 2017 in Krakau

Ende Oktober 2017 war es wieder soweit: eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der IB Beruflichen Schulen Stuttgart Vaihingen machten sich in Begleitung von Frau Weigert und Herr Erben auf den Weg nach Krakau. Ziel der Reise war die schöne polnische Stadt mit ihren Menschen und ihrer Geschichte und Kultur kennenzulernen. Besonders am Thema „Diskriminierung zur Zeit des Nationalsozialismus und heute“ sollte einiges gearbeitet und gelernt werden.

Sonntagabend am Stuttgarter Flughafen machte sich dann die Vorfreude aber auch Aufregung breit – für manche war es die erste Reise in ein Land, dessen Sprache sie nicht beherrschen und über das sie so gut wie nichts wussten. In Krakau wurden wir sehr herzlich von unseren polnischen Kolleginnen empfangen und zum schönen Hotel Centrum in der Mitte des Stadtteils Nowa Huta gebracht.

Am Montag sollten wir die Schülerinnen und Schüler der Zsepòl Szkòl Zawodowych Huty IM.Tadeusza Sendzimira S.A. kennenlernen und gemeinsam das Projekt starten. Zu Beginn konzentrierten sich die Projektteilnehmer/innen auf eine Definition von „Diskriminierung“ und überlegten sich an Hand von eigenen Fallbeispielen, was Diskriminierung für sie im Alltag erlebbar macht. Dabei stellte sich heraus, dass viele Schüler/innen schon Erfahrungen mit Ausgrenzung gesammelt hatten. Am Nachmittag lernten wir die wunderschöne Innenstadt und den Krakauer Königsweg vom Florianstor über den Hauptmarkt mit der berühmten Marienkirche und Tuchhalle zur Schlossanlage auf dem Burgberg Wawel kennen. Natürlich fand sich im Anschluss auch Zeit auf eigene Faust die vielen kleinen Cafés und Geschäfte der Innenstadt zu erkunden. Für Aufsehen auf dem Weg in die Stadt sorgte das komplexe Krakauer Straßenbahnnetz mit seinen vielen Linien und sehr alten bis sehr modernen Zügen.

Der Dienstag stand wiederum ganz im Zeichen der Projektarbeit. Morgens recherchierten die Projektteilnehmer/innen über das Leben und Wirken von Irena Sendlerowa, einer Krakauer Bürgerin, die während des zweiten Weltkriegs und der Zeit der deutschen Besetzung unzählige Kinder vor der Deportation und dem sicheren Tod bewahrte. Die Jugendlichen präsentierten ihre Ergebnisse vor der Gruppe und hielten sie auf Plakaten und Postern fest. Nach einer Stärkung an der Schule ging es wieder in die Innenstadt, diesmal allerdings in das alte jüdische Viertel Krakaus. Bei einer Führung durch das Viertel besuchten wir die Remuh Synagoge und den alten jüdischen Friedhof, bei der Führung durch das Ghetto lernten viel über die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in der Zeit des 2. Weltkriegs. Der Besuch des Museums in der alten Apotheke am Rande des ehemaligen Ghettos war sehr  aufschlussreich. Hier versteckte der Inhaber Juden, welche so dem sicheren Tod durch Ermordung durch die deutschen Besatzer entgingen.

Mittwoch besuchten wir das jüdische Museum im alten jüdischen Viertel Krakaus. Im Museum erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler in der Ausstellung selbst, wie sich das jüdische Leben in Polen über die Jahrhunderte Veränderte. In Kleingruppen arbeiteten sie an verschiedenen Themen und Teilen der Ausstellung und führten am Nachmittag durch das Museum und lenkten unseren Blick auf verschiedene Highlights und deren Hintergrund. Die Jugendlichen stellten auch hier fest, welche Zäsur die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten für die gesamte polnische Gesellschaft war. Sie fanden aber jedoch auch Hoffnung im aktuellen Umgang mit der Geschichte und dem was die europäische Gesellschaft aus dieser Tragödie gelernt hat. Am Nachmittag hatten wir die Gelegenheit die Zeitzeugin Mirosława Gruszczyńska zu treffen, die in Israel mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde. Sie erzählte uns ihre Geschichte, wie Sie zur Zeit der deutschen Besatzung Krakaus ein jüdisches Mädchen vor der Verfolgung und dem sicheren Tod retteten, stets mit der Gefahr lebend entdeckt zu werden, was die Ermordung aller Bewohner des Hauses bedeutet hätte. Nach dem sehr eindrücklichen Tag im Museum suchten die Teilnehmer/innen Entspannung in der Innenstadt bei Kaffee und Einkäufen.

Am Donnerstag besuchte uns ein Historiker des jüdischen Museums in Auschwitz. Viele denken hier natürlich sofort an das berüchtigte Konzentrations- und Vernichtungslager, vergessen dabei aber, das Auschwitz in der Zeit vor der deutschen Besatzung eine aktive jüdische Gemeinde hatte. Der Historiker stellte das jüdische Leben vor und während der Zeit der Besatzung vor und sensibilisierte die Teilnehmer/innen zum Thema Diskriminierung und Ausgrenzung. Teil des Programms am Vormittag mit dem Referenten waren auch eindringliche Rollenspiele, intensive Diskussionen und interessante Präsentationen. Nachmittags tauchten die Jugendlichen noch tiefer in die Geschichte ein, als wir das Schindler Museum besuchten. Das Museum befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Emailen-Fabrik von  Oskar Schindler und beschäftigt sich mit Krakau zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Der Freitag war der letzte Tag der Begegnung der Projektgruppe. In der Schule resümierten die Schülerinnen und Schüler die vergangene Woche und das gelernte. Das Quiz aus dem Schindler Museum wurde aufgelöst und ein Gewinner mit den meisten richtigen Lösungen gefunden. Im Anschluss begannen die Jugendlichen die Begegnung in Stuttgart vorzubereiten, bei der Videoclips zum Thema Diskriminierung entstehen sollen und ein Projekttag vorbereitet und durchgeführt wird.

Insgesamt war die Reise nach Krakau wieder ein tolles Erlebnis, an dem die Jugendlichen aber auch die begleitenden Lehrkräfte viel Neues gesehen und gelernt haben.